Raschere Umsetzung neuartiger Klimatechnologien
Die Klimakrise verlangt nach schnellen und wirkungsvollen Lösungen. Vielversprechende Klimatechnologien bleiben oft in Pilot- und Demonstrationsprojekten stecken. Was fehlt, ist der Schritt in die breite Umsetzung. Genau hier setzt der neu lancierte «Climate Solutions Hub» von Empa und Eawag an.
Pilotprojekte mit CO₂-negativen Baustoffen, Technologien zur Wiederverwendung von Wasser oder blau-grünen Infrastrukturen – also miteinander vernetzten urbanen Wasser- und Vegetationsflächen – zeigen, dass immer mehr Lösungen zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen oder zur Anpassung an den Klimawandel existieren. Doch zwischen einer technisch einwandfrei funktionierenden Lösung und ihrer breiten Umsetzung in realen Gebäuden, Städten oder Versorgungssystemen liegt ein entscheidender Schritt: die Skalierung.
«Diese Umsetzungslücke entsteht selten durch unüberwindbare technische Barrieren», sagt Christian Binz, Co-Leiter des «Climate Solutions Hub» und Gruppenleiter der Gruppe für Nachhaltigkeitstransitionen und Innovationsstudien an der Eawag in Dübendorf ZH. «Viel häufiger sind nicht technologische Barrieren der Grund dafür: regulatorische Hürden, ausbleibende Investitionen, mangelndes Wissen oder fehlende Akzeptanz.»
Von der Innovation zur Vorlage für Skalierung
Damit vielversprechende Klimalösungen den Sprung in die breite Anwendung schaffen, verbindet der «Climate Solutions Hub» (CSH) als neue Struktur innerhalb des ETH-Bereichs drei Säulen: Technologieentwicklung, Demonstratoren und «Living Labs» sowie die Einbindung der Sozialwissenschaften. Herzstück ist die «Innovation Scaling Platform». Sie untersucht Skalierungsbarrieren aus einer integrierten sozio-technischen Perspektive und setzt den Schwerpunkt auf Klimalösungen aus dem ETH-Bereich, die in Pilotanwendungen bereits validiert sind, sich aber noch nicht breit durchgesetzt haben.

Ein wichtiger Bestandteil sind Demonstratoren und «Living Labs». Dort können Innovationen gemeinsam mit künftigen Anwendern unter realen Bedingungen erprobt werden. Dadurch lassen sich konkrete Skalierungsbarrieren identifizieren und gemeinsam mit der Forschung lösen. Die Erkenntnisse aus den einzelnen Projekten sollen über den konkreten Anwendungsfall hinaus nützlich sein. Der Hub entwickelt daraus sogenannte «Scaling Templates». Dies sind praxisorientierte Leitfäden mit Strategien und konkreten Tools, um die Verbreitung einer Lösung zu unterstützen. Gleichzeitig werden Akteurkoalitionen aufgebaut, um den Skalierungsprozess langfristig zu unterstützen und voranzutreiben.
Erste Priorität gilt dem Baubereich
In einer ersten Phase konzentriert sich der «Climate Solutions Hub» auf klimapositive Infrastrukturen. Dies ist ein Bereich mit besonders grossem Hebel für Klimaschutz und Klimaanpassung. Zentral sind drei Handlungsfelder: CO₂-optimiertes Bauen, zirkuläre Wasser- und Sanitärlösungen sowie blau-grüne Infrastrukturen.

Der Hub möchte im Bausektor etwa CO₂-negativen Beton, Netto-Null-Strassen oder klimaverträgliche Brücken vom Pilotprojekt in etablierte Bestandteile der gebauten Umwelt überführen. Im Bereich Wasser und Sanitärversorgung geht es unter anderem darum, Wasser innerhalb von Gebäuden wiederzuverwenden oder menschlichen Urin in einen hochwertigen Dünger zu verwandeln. Und bei den blau-grünen Infrastrukturen steht die Anpassung von Städten an Hitze, Trockenheit und sintflutartigen Regen im Zentrum. Die Anwendungspalette soll in den kommenden Jahren kontinuierlich erweitert werden.