Ein neues Quartier als Brücke zwischen Stadt und Grün
In der Bündner Kantonshauptstadt Chur entsteht mit Kleinbruggen bis 2029 ein Quartier mit fast 600 Wohnungen. Hier finden Micro Apartments, gemeinnütziger Wohnungsbau, Genossenschafts- und Eigentumswohnungen sowie Servicewohnungen zusammen.
Auf einer 11 Hektar grossen Bauzone in Chur (GR) entsteht derzeit das Quartier Kleinbruggen mit 580 Wohnungen. Basierend auf Investorenwettbewerben ab 2019 vergab die Baurechtnehmerin Kleinbruggen AG die dreizehn Baufelder an je einen Unterbaurechtnehmer. Das Architekturbüro Ritter Schumacher hat dabei für fünf von 13 Baufeldern den Zuschlag bekommen, weil es in Zusammenarbeit mit Investoren überzeugende Konzepte erarbeitet hat. Im Sommer 2020 konnte mit dem Bau begonnen werden. Die Realisierung erfolgt in drei Etappen; die zweite Etappe wurde soeben abgeschlossen, die dritte soll bis 2029 fertiggestellt werden.
Wie eine aufgefächerte Hand
Das städtebauliche Konzept stammt von den Zürcher Büros Office Haratori und Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur und Städtebau. Nach deren Entwurf greifen die Baukörper wie die fünf Finger einer Hand von der Rheinfelsstrasse in den Landschaftsraum des ehemaligen Rheinschwemmgebiets ein. Durch die Aufspreizung zeigt sich zur Strasse hin eine Baustruktur mit einem dichten und städtischen Abschluss. Gegenüber der Landschaft öffnet sich die Form und verzahnt die Baukörper mit dem angrenzenden Grünraum und Naherholungsgebiet.
Das gesamte Areal wird als erstes in Graubünden die 30 Nachhaltigkeitskriterien des SNBS-Areals (Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz) erfüllen, was eine hohe Qualität für die drei Bereiche Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft sichert. Die Gebäude sind meist drei- bis viergeschossig, teilweise gekrönt von ein- bis zweigeschossigen Attikawohnungen in Leichtbauweise. Die Überbauung bietet Miet- und Eigentumswohnungen in unterschiedlichen Grössen, und generationenübergreifendes Wohnen wird gezielt gefördert. Die Projekte von Ritter Schumacher reichen von der Miniwohnung für kurze Aufenthalte über Servicewohnungen bis zu einem gemeinnützigen Projekt für kostengünstiges Wohnen. In Planung sind eine Wohngemeinschaft für Jugendliche mit Unterstützungsbedarf sowie flexible Eigentumswohnungen für unterschiedliche Lebensphasen.

Für Menschen mit geringen Platzansprüchen
Das Projekt «Durabel» gehört zur ersten Etappe und wurde bereits im Jahr 2023 fertiggestellt und bezogen. Neben günstigen Genossenschafts- und Eigentumswohnungen wendet sich ein Grossteil des Angebots in diesem Haus an Menschen mit geringem Platzbedarf: Alleinstehende, Studierende, Geschäftsreisende oder Multilokale. Die zunehmende Vereinzelung und Mobilisierung der Gesellschaft legen nahe, dass ein Bedarf an kleinen, schnell und leicht beziehbaren Wohnungen besteht. Dennoch war die Vermarktung in einer eher kleinen Stadt wie Chur ein Wagnis. Die Akzeptanz und Nachfrage bestätigen heute, dass das Konzept aufging.
Raum für neue Wohnformen
50 sogenannte Microapartments haben eine Fläche ab 21 Quadratmeter. Dabei richten sich die Mieten nach der Wohndauer, die bei zwei Wochen beginnt. Die Wohnungen sind teilmöbliert und mit Einbauschränken und Regalen ausgestattet. Für mehr Gemeinschaftlichkeit sorgen eine grosse offene Dachterrasse im Attikabereich für alle Mieter sowie ein Restaurant und der Waschsalon im Erdgeschoss. Ein kleiner, scheinbar banal wirkender Kniff mit grosser Wirkung aufs Budget sind die sogenannten Fertig-Nasszellen. Diese wurden komplett vorgefertigt und als Betonkubus in die Wohnungen eingesetzt.

Der dreigeschossige Wohnbau mit zwei Attikageschossen der Anlagestiftung Utilita liegt an der dichtesten Stelle des Quartiers. Da die vordefinierten Vor- und Rücksprünge zusätzlich unruhig wirken, schwächen die horizontalen Balkonbänder diesen Eindruck ab. Trotzdem schwingt der Balkon selbst regelmässig an geeigneten Stellen vor, um wiederum nicht allzu monoton zu erscheinen, zu rhythmisieren und den Bewohnern die Wiedererkennung zu erleichtern. Die in hellen, warmen Beigetönen gehaltene Fassade wirkt freundlich, und unterschiedliche Putzstrukturen lockern die Fläche zurückhaltend auf.