10 Jahre Nest
Im Jahr 2016 wurde mit dem Forschungsbau «Nest» ein neues Kapitel auf dem Empa Campus in Dübendorf aufgeschlagen. Die Bilanz fällt nach zehn Jahren durchweg positiv aus: zehn innovative Bauprojekte, ein Netzwerk aus rund 150 Partnern und mehrere Neuentwicklungen, die den Markteintritt geschafft haben.
Wie bauen wir künftig Büros oder Wohnungen – unter Berücksichtigung schwindender Ressourcen und der Notwendigkeit, Emissionen zu vermeiden? Und mindestens genauso wichtig: Wie gelingt es, interessante neue Lösungen marktfähig zu machen? Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2016 das modulare Forschungs- und Innovationsgebäude Nest eröffnet, kurz für «Next Evolution in Sustainable Building Technologies».
Das gemeinsame Projekt der Forschungsinstitute Empa und Eawag fiel in eine Zeit, in der klar wurde, dass es neue Lösungen im Bereich des Hochbaus braucht, die auf das «Netto-Null»-Ziel 2050 einzahlen und zu einer Beschleunigung der Innovationszyklen im Baubereich führen. Gleichzeitig konnte Nest auf einige Vorgängerprojekte aufbauen, die bereits erste Schritte in Richtung neuartiger Bauweisen getan hatten.
Breite Zusammenarbeit
«Schon mit der Monte Rosa-Hütte und dem autarken Wohncontainer ‚SELF‘ konnten wir viele Leute von der Bedeutung und vom Erfolg solcher nachhaltigen Konzepte im Gebäudebereich überzeugen», sagt Peter Richner, ehemaliger Vizedirektor der Empa und Initiant von Nest.
«Entsprechend hatten wir bereits viel Goodwill bei Bund, Kanton und Gemeinden, wo wir mit dem ambitionierten Ziel von Nest auf offene Ohren gestossen sind.» Denn nur dank kräftiger Beteiligung des Kantons Zürich und der Gemeinde Dübendorf, sowie des ETH-Bereichs und verschiedener Wirtschaftspartner war ein solch kostenintensives Projekt überhaupt denkbar.
Pionier für Unternehmen
In den vergangenen zehn Jahren wurden zehn modulare Gebäude – sogenannte Units – realisiert, die sich jeweils spezifischen Herausforderungen und Technologien widmen. Begriffe wie «digitale Vorfertigung», «kreislauffähiges Bauen» oder «prädiktive Steuerung» waren vor zehn Jahren noch absolute Nischenthemen im Gebäudebereich.
Auch dank den visionären Nest-Units fliessen diese Themen heute vermehrt in die Planung und Umsetzung neuer Bauvorhaben mit ein. Das Potenzial für nachhaltige Konzepte und Produkte im Baubereich ist jedoch noch lange nicht ausgeschöpft. 2023 haben der Kanton Zürich und zahlreiche Wirtschaftspartner mit der Charta «Kreislauforientiertes Bauen» eine Absichtserklärung unterzeichnet, die in Sachen Beschaffung, Planung, Ausführung und Rückbau künftig die Weichen in Richtung eines nachhaltigen Umgangs mit Ressourcen stellen soll.
«Antwortmaschine» für den Gebäudesektor
Insgesamt sind über zehn Start-Ups aus Forschungs- bzw. Umsetzungsprojekten im Nest hervorgegangen, die mit vielversprechenden Innovationen in den Bereichen Tragwerksstrukturen, Energie- und Abwassermanagement die nachhaltige Transformation der Baubranche vorantreiben.
Peter Richner ergänzt: «Die Stärke von Nest liegt eben darin, dass Akteure aus verschiedenen Sektoren in einem realen Setting aktuelle Herausforderungen untersuchen, Lösungen validieren und künftige Strategien ableiten können. Man kann Nest deshalb auch als eine Art ‚Antwortmaschine‘ für Fragen im Bereich der gebauten Umwelt bezeichnen.»





