Klimaresilienz beginnt bei der Umsetzung
Der Sommer 2026 zeigt, Hitzeperioden und Starkregen gehören zunehmend zur Realität. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, ob sich die Schweiz anpassen muss, sondern wie. Die Antwort führt direkt zur Bauwirtschaft.

Die Schweiz diskutierte in diesem Sommer intensiv über das Klima. Die öffentliche Diskussion konzentriert sich dabei häufig auf Klimaziele, Energieeffizienz oder Netto-Null. Weniger Aufmerksamkeit erhält die Frage, wie eine klimaresiliente Schweiz tatsächlich entsteht. Denn Gebäude werden nicht von selbst hitzeresistent, Plätze begrünen sich nicht eigenständig und Strassen werden nicht automatisch widerstandsfähiger gegen Starkregen. Dafür braucht es Eigentümerinnen und Eigentümer, die investieren, Planerinnen und Planer, die klimaangepasste Lösungen entwickeln, sowie Unternehmen und Handwerksbetriebe, die diese umsetzen.
Klimaresilienz ist deshalb vor allem eine Umsetzungsaufgabe. Der grösste Teil der Gebäude, in denen wir 2050 wohnen und arbeiten werden, steht bereits heute. Wie gut wir künftig mit Hitze, Starkregen oder anderen Extremereignissen umgehen können, entscheidet sich also bei den heute getätigten Investitionen. Wer die Schweiz widerstandsfähiger machen will, muss den bestehenden Gebäudepark jetzt schrittweise an neue klimatische Bedingungen anpassen. Jede Sanierung und jeder Umbau bieten die Chance, Gebäude und Infrastrukturen resilienter zu machen.
Prävention wird zum Schlüsselfaktor
Besonders deutlich wird dies beim Thema Starkregen. Viele verbinden Überschwemmungen mit über die Ufer tretenden Flüssen oder Seen. Tatsächlich entstehen heute bereits mehr als zwei Drittel aller gemeldeten Überschwemmungsschäden durch Oberflächenabfluss. Also Wasser, das bei intensiven Niederschlägen über Strassen und Grundstücke fliesst.
Rund 62 Prozent der Schweizer Gebäude sind davon betroffen. In ihnen leben rund drei Viertel der Bevölkerung, und dort befindet sich ein grosser Teil unserer Arbeitsplätze. Überschwemmungen und Hagel gehören deshalb seit Jahren zu den teuersten Naturgefahren der Schweiz. Die gute Nachricht ist: Ein grosser Teil dieser Schäden lässt sich verhindern oder zumindest deutlich reduzieren. Das Wissen dazu ist vorhanden.
Bauwirtschaft ist Teil der Lösung
Die Bauwirtschaft übernimmt dabei eine doppelte Aufgabe. Einerseits muss sie ihre eigenen Arbeits- und Bauprozesse an häufigere Extremereignisse anpassen. Andererseits plant, baut und unterhält sie genau jene Gebäude und Infrastrukturen, welche die Schweiz klimaresilient machen.
Dieses Verständnis setzt sich zunehmend auch auf Bundesebene durch. Im Netzwerk «Anpassung an den Klimawandel» arbeiten Bund, Kantone, Gemeinden, Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam daran, Klimarisiken künftig noch konsequenter in Planungen zu berücksichtigen. Bauenschweiz bringt dort die Perspektive der Bauwirtschaft ein und engagiert sich dafür, Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Planende und Ausführende frühzeitig für Präventionsmassnahmen zu sensibilisieren.
Klar ist: Die Schweiz verfügt über das Wissen, die Technologien und das handwerkliche Können, um Gebäude und Infrastrukturen widerstandsfähiger zu machen. Entscheidend ist nun, dieses Potenzial konsequent zu nutzen. Klimaresilienz beginnt nicht erst beim nächsten Extremereignis. Sie beginnt bei jeder Planung, jeder Sanierung und jedem Bauprojekt, das wir heute realisieren.

> Bauenschweiz ist der Dachverband der Schweizer Bauwirtschaft