Baubranche setzt Standard mit neuem Bauführerabschluss
Premiere im Bauhauptgewerbe: In der letzten Aprilwoche finden die ersten Höheren Fachprüfungen für Bauführer/innen statt. 120 Kandidaten und Kandidatinnen schliessen damit eine Ausbildung ab, die sie genauso wie Bauunternehmen, Bildungsanbieter und den SBV in den letzten Jahren gefordert haben.
Rund 120 Kandidatinnen und Kandidaten treten zwischen dem 27. und dem 30. April 2026 zur ersten Höheren Fachprüfung (HFP) für Bauführerinnen und Bauführer im Bauhauptgewerbe an. Die Branche prüft damit erstmals nach einem schweizweit einheitlichen Standard, ob ihr Nachwuchs die für den anspruchsvollen Beruf erforderlichen Kompetenzen aufweist.
Umfangreiche Neuerungen gut auf Kurs
Der Weg zur Prüfung war nicht nur für die Kandidatinnen und Kandidaten ein «Hoselupf». Auch für die anderen Akteure in der Bildung, vom Unternehmen, über die Bildungsanbieter bis zum SBV, kam die Revision des Berufs einem eigentlichen Kraftakt gleich. Die beruflichen Inhalte wurden auf künftige Herausforderungen und Ansprüche ausgerichtet. Neu findet der Abschluss zudem als Höhere Fachprüfung und nicht mehr im Rahmen einer Höheren Fachschule statt. Entsprechend umfangreich und anspruchsvoll waren die Veränderungen, deren Bedeutung über die Baubranche hinausgeht.

Damit dieser Wechsel funktioniert, begleitet das Swiss Education Lab der ETH Zürich die Baubranche wissenschaftlich auf diesem Weg. Ein Monitoringsystem zeigt, dass die Bestrebungen auf gutem Weg sind. Der neue Abschluss entspricht fachlich den Forderungen der Branche, ebenso der Kompetenzaufbau im Betrieb dem Soll-Bild der Unternehmen, der Bildungsanbieter und des SBV. Die ETH-Erhebungen bestätigen, dass der neue Bauführerabschluss näher an der Praxis ist. Schliesslich bewertet auch der Arbeitsmarkt den Wert des HFP-Titels überwiegend positiv. Die Praxisnähe verlangt einen aktiveren Einbezug der Betriebe in die Ausbildung. Sie müssen das Lernen im Arbeitsalltag auf der Funktionsstufe der Bauführer/innen planen, ermöglichen und idealerweise über ein Mentoring-Programm proaktiv fördern. Die richtige Balance zwischen Arbeit, Schule und Familie zu finden, dürfte für Kandidierende wie auch die Betriebe herausfordernd sein.
Aktuelle Herausforderungen
Die jüngste Erhebung der ETH betrachtet auch die Zukunftsaussichten und wie die kurz- und mittelfristige Karriereplanung der Unternehmen für ihre Mitarbeitenden aussieht. Im Zentrum standen auch die Fragen, ob sich diese mit dem Eindruck der Absolventinnen und Absolventen decken, und wie die Betriebstreue eingeschätzt wird. Die nachstehende Grafik zeigt, dass die Mitarbeitenden die Chancen auf Beförderung unterschätzen. Nicht überraschend ist daher, dass ihre Betriebstreue tiefer ist als von den Arbeitgebern erwartet. Nach Ansicht der ETH könnte eine klare Kommunikation über Lohnerhöhungen und die Karriereentwicklung möglicherweise den Verbleib im Unternehmen und/oder der Branche verbessern und Unsicherheiten reduzieren.

Dieser Tage gilt es zunächst, die Hürde der HFP zu meistern. Bildungsanbieter und Unternehmen haben sich im Vorfeld deutlich optimistischer geäussert als die Kandidierenden selbst, bei denen eine nicht unerwartete Nervosität spürbar war. Die eidgenössische Messlatte wird als hoch eingeschätzt und dämpft die Zuversicht. Entsprechend verhaltener äusserten sich die Prüflinge zu ihren Erfolgsaussichten.
Das Swiss Education Lab
Die wissenschaftliche Begleitung der ETH dient als Frühwarnsystem und zielt darauf ab, die Herausforderungen und Chancen der Transformation frühzeitig zu erkennen. Gleichzeitig eröffnen die Erkenntnisse aus den regelmässigen Befragungen der Studierenden, Arbeitgeber, Bildungsanbieter und Organisationen der Arbeitswelt eine ideale Möglichkeit, dass sich die Akteure an einen Tisch setzen, sich austauschen und voneinander lernen.