Kibag testet autonome Baumaschine

Kibag testet in der Kiesgrube Tuggen (SZ) einen autonomen Raupenbagger unter realen Einsatzbedingungen. Das Pilotprojekt zeigt, welches Potenzial autonome Baumaschinen bei standardisierten Aushubarbeiten für Effizienz, Skalierbarkeit und künftige Betriebsmodelle haben.

Die Automatisierung von Baumaschinen entwickelt sich zunehmend von einer technologischen Vision zu einem konkreten Anwendungsfeld für Bauunternehmen, Maschinenhersteller und Steuerungsspezialisten. Mit einem Pilotprojekt in der Kiesgrube Tuggen (SZ) erprobt Kibag den Einsatz eines autonomen Raupenbaggers unter realen Betriebsbedingungen und schafft damit eine stichhaltige Grundlage für die Bewertung von Produktivität, Prozessstabilität und Wirtschaftlichkeit autonomer Systeme im Tiefbau.

Mit einem Pilotprojekt in der Kiesgrube Tuggen (SZ) erprobt Kibag den Einsatz eines autonomen Raupenbaggers. (Foto: Kibag)
Mit einem Pilotprojekt in der Kiesgrube Tuggen (SZ) erprobt Kibag den Einsatz eines autonomen Raupenbaggers. (Foto: Kibag)

Im Zentrum steht nicht die Machbarkeit im Labor, sondern die betriebliche Praxistauglichkeit in einer produktionsähnlichen Umgebung. Damit spricht das Projekt eine der derzeit wichtigsten Fragen der Branche an: In welchen Anwendungsfeldern können autonome Baumaschinen kurz- bis mittelfristig einen Mehrwert schaffen?

Pilotanwendung in einer Kiesgrube

Im Rahmen des Projekts setzt Kibag einen Develon-Raupenbagger ein, der mit einer autonomen Steuerung von Gravis Robotics ausgerüstet wurde. Die Maschine soll selbstständig einen rund 150 Meter langen, 17 Meter breiten und drei Meter tiefen Graben ausheben. Als Testumgebung dient die Kiesgrube Tuggen, die ein kontrollierbares, aber gleichzeitig operativ relevantes Umfeld bietet. Für Unternehmen der Bau- und Rohstoffbranche ist dies ein zentraler Punkt: Der wirtschaftliche Einstieg in die Automatisierung wird voraussichtlich nicht über die vollautonome Universalbaustelle erfolgen, sondern über abgegrenzte Anwendungen in kontrollierten Betriebsräumen.

Die Maschine soll selbstständig einen rund 150 Meter langen, 17 Meter breiten und drei Meter tiefen Graben ausheben. (Foto: Kibag)
Die Maschine soll selbstständig einen rund 150 Meter langen, 17 Meter breiten und drei Meter tiefen Graben ausheben. (Foto: Kibag)

Standardisierte Prozesse als Schlüssel zur Automatisierung

Das Projekt von Kibag unterstreicht eine wesentliche Erkenntnis der aktuellen Marktentwicklung: Das grösste Potenzial autonomer Baumaschinen liegt bei standardisierten, wiederholbaren und geometrisch klar definierbaren Arbeiten. Relevante Kriterien sind dabei unter anderem:

  • Reproduzierbare Ausführungsqualität
  • Höhere Planbarkeit von Maschinenlaufzeiten
  • Entlastung bei personellen Engpässen
  • Bessere Nutzung definierter Zeitfenster
  • Skalierbarkeit bei wiederkehrenden Aushub- oder Umschlagprozessen

Technologische Komplexität bleibt hoch

Gleichzeitig zeigt der Pilotversuch, dass zwischen Prototyp und produktivem Regelbetrieb ein erheblicher Entwicklungsaufwand liegt. Laut Kibag erwies sich besonders die Programmierung der autonomen Steuerung als anspruchsvoller als zunächst angenommen. Hinzu kamen erschwerte Rahmenbedingungen durch anhaltend nasses Wetter, das den Testbetrieb zusätzlich beeinflusste. Der Implementierungsaufwand liegt nicht nur in der Beschaffung einer autonomen Maschine, sondern in der Integration eines gesamten Systems. Für Bauunternehmen und Betreiber ergibt sich daraus ein deutlich höherer Anspruch an Projektplanung, Testdesign und internes Know-how.

Frontkamera und GPS-Empfänger sind auf dem Dach der Führerkabine installiert. (Foto: Kibag)
Frontkamera und GPS-Empfänger sind auf dem Dach der Führerkabine installiert. (Foto: Kibag)

Das Kibag-Projekt ist auch als strategischer Markttest zu verstehen: Welche Anwendungen bieten genug Wiederholungsgrad und Volumen, um den Zusatzaufwand für Technologie, Integration und Überwachung zu rechtfertigen? Langfristig könnten autonome Baumaschinen insbesondere in drei Bereichen relevant werden:

  • Produktivität bei repetitiven Aufgaben
  • Fachkräftemangel und Ressourcenplanung
  • Neue Betreiber- und Servicemodelle

Mit zunehmender Automatisierung dürften sich auch die Geschäftsmodelle verändern. Denkbar sind stärker datenbasierte Betriebsmodelle, serviceorientierte Anbieterstrukturen oder hybride Steuerungskonzepte aus Maschinenhersteller, Softwarepartner und Bauunternehmen.

Kibag geht davon aus, dass teilautonome Maschinen früher in die Breite kommen werden als vollautonome Systeme auf regulären Baustellen. Für Unternehmen ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: Der sinnvollste Transformationspfad dürfte in vielen Fällen über aufeinander aufbauende Automatisierungsstufen führen, nicht über einen direkten Sprung in den vollautonomen Baustellenbetrieb.

> kibag.ch/

Weitere Beiträge zum Thema

JETZT ANMELDEN
fachbau.ch Newsletter
fachbau.ch bietet Ihnen wertvolle Einblicke, aktuelle Trends und exklusive Informationen aus der Bau- und Immobilienbranche, um Sie stets auf dem neuesten Stand und gut informiert zu halten.
ANMELDEN
Sie können sich jederzeit abmelden!
close-link